Erinnerungen an drei Jahrzehnte im Kulturkreisvorstand
Es muss ca. 1976 gewesen sein, dass mein REG-Kollege Günther mich ansprach, ob ich die Sparte ,,Lichtbildervorträge im Kulturkreis“ übernehmen wolle, die er viele Jahre geleitet hatte. Ich sagte zu und wurde so der dritte Vorsitzender. Erst einmal blieb ich bei den Vortragenden, die schon oft in Uelzen gewesen waren. Es waren interessante Leute. Einer war Walter Frenz. Erst nach seinem Tod erfuhr ich, dass er einer von Leni Riefenstahls Kameraleuten gewesen war. (NS-Propagandafilme ,,Triumph des Willens“, aber auch ,,Olympia“ -Olympische Spiele 1936) und dass er Fotos von Hitler auf dem „Berghof“ gemacht hatte. Viele Besucher kamen zu den Vorträgen des Nordlandexperten Jörg Trobitzsch. Als er auf Breitwand umstellte, kamen zu seinem Vortrag ,,Wildes, unbekanntes Norwegen“ fast 700 Besucher ins Theater. Viele Uelzener interessierten sich auch für den Vortrag über das einst ostpreußische Königsberg, heute das russische Kaliningrad. Es waren natürlich die Menschen, die 1945 ihre Heimat verloren hatten. Fast alle Diese Vorträge waren auch für mich eine Bereicherung.
Für Symphoniekonzerte und Kammermusik war der zweite Vorsitzende Kantor Eginhard Köhler zuständig. Bei Unterhaltungskonzerten überließ er mir gerne die Aufsicht, und so lernte ich die irischen Musiker ,,The Dubliners“ kennen oder Hermann van Veen. Als Blödel Otto Waalkes nach Uelzen kommen wollte, standen die Leute schon um 7 Uhr vor dem Verkehrsbüro Schlange, und um 11 Waren alle Karten verkauft.
Ich kam dann auf die Idee, im Theater an der Ilmenau auch Rockkonzerte zu veranstalten, z.B. mit der Gruppe ,,Die Puhdys“ aus der damaligen DDR. Das war ein Fehler, denn die Musiker heizten so ein, dass die jungen Besucher auf die Sitze stiegen und einige demolierten. Vom damaligen stellvertretenden Stadtdirektor, der für das Theater zuständig war, bekam ich ,,Saalverbot“ Es war der spätere Verteidigungsminister Peter Struck. Im folgenden Jahr bin ich mit den Puhdys in die alte Stadthalle gegangen. Die 1000 Besucher mussten fast alle stehen, waren aber zufrieden. Wesentlich weniger Besucher kamen zum Konzert einer Dixieland-Kapelle aus Polen, die zweieinhalb Stunden für eine bescheidene Summe spielten. Sie verglichen uns mit der DDR ,,Wenn wir spielen in Bundesrepublik, Leute kommen in Lumpen, Geld ganz prima. Wenn wir spielen in DDR, Leute kommen mit Schlips und Kragen, Geld Lumpen.“
2006 schieden mehrere Vorstandsmitglieder aus, ich auch. Aber die englischen Theateraufführungen habe ich als Mitglied des Erweiterten Vorstandes gerne auch weiter betreut. Mit solchen Aufführungen hatten wir in den neunziger Jahren angefangen. Die erste Aufführung war ,,Arsenic and Old Lace“ (Arsen und Spitzenhäubchen). Das Bühnenbild war ärmlich, aber die Schauspieler hervorragend. Es war wichtig, die Schulen rechtzeitig mit Material zu versorgen, damit die Lehrer die Schüler vorbereiten konnten. Nur dann folgten sie dem Bühnengeschehen aufmerksam. Die Schulen von Winsen bis Wolfsburg und von Salzwedel bis Soltau wurden zu Beginn des neuen Schuljahres mit Material versorgt. Die Aufführungen waren natürlich immer am Vormittag und die Eintrittspreise bescheiden. Ein Dauerbrenner in der Weihnachtzeit war ,,A Christmas Carol“ (nach Charles Dickens), die Geschichte vom Geizhals und Griesgram Scrooge, der in der Weihnachtsnacht zu einem guten Menschen wird. Es gab mindestens ein Dutzend Aufführungen. Immer saßen die Schüler auch im Orchestergraben, also zu Füßen der Akteure. In einem Büchlein hatte ich Inhaltsangaben der bekanntesten Dramen von Shakespeare gefunden, mit eingestreuten Originalpassagen. Diese Texte bekamen die weiterführenden Schulen rechtzeitig zugeschickt, und wir hatten volle Häuser und aufmerksame Schüler. Die Erwachsenen waren nur eine Minderheit. Das änderte sich schlagartig, als die Gymnasien auch bei den Fremdsprachen die Doppelstunde einführten. Wenn die erste Doppelstunde auf den Montag und die andere auf den Donnerstag fiel, die Aufführung aber am Mittwoch stattfand, dann ging der Besuch nur auf Kosten anderer Fächer. Natürlich hätten wir auf den späten Nachmittag oder Abend ausweichen können. Da aber heute nur noch wenige Lehrer-innen am Standort der Schule wohnen, sind sie selten bereit, Freizeit zu opfern. Ich habe deshalb vorgeschlagen, die total defizitäre Sparte ,,fremdsprachiges Theater“ abzuschaffen.
Zusammenfassend möchte ich aber sagen, dass mir die Arbeit im Kulturkreis sehr viel Spaß gemacht hat und eine Bereicherung war. Gerne erinnere ich mich an viele Theateraufführungen, eine Sparte, die anfangs Horst Fränkel, dann kurze Zeit Rainer Pflug und schließlich Georg Lipinsky betreute. Der Kulturkreis hatte einen guten Kontakt zu einigen Theateragenturen und konnte sie überreden, eine Woche vor der Premiere in Uelzen zu proben, wo dann auch die Premiere mit anschließender Premierenfeier stattfand. Da lernten wir Vorstandsmitglieder viele bekannte Schauspieler kennen. Mehrmals und gern war Ellen Schwiers Gast in Uelzen. Was die Namen und Zahlen angeht, so weiß Herr Mentasti viel besser Bescheid.
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