Englisches Theater: White Horse Theatre – Ein Ensemble-Portrait

Englisches Theater: White Horse Theatre – Ein Ensemble-Portrait

Schon im Namen des Tourneetheaters wird die Verbindung der beiden Völker symbolisch fixiert: Angelsächsische Einwanderer brachten das „weiße Pferd“ aus dem Wappen Westfalens vor 1500 Jahren mit nach England, wo es im Wappen von Kent auch heute noch verankert ist. Peter Griffith, der 1978 das White Horse Theatre gründete, hat diese Reise genau umgekehrt hinter sich und lebt und arbeitet heute in Nordrhein-Westfalen. Als Schauspieler, Schriftsteller, Regisseur und Musiker, der auch 5 Jahre Erfahrung als Lehrer gesammelt hatte, liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit auf pädagogischem Theater. Als 1980 das Ensemble von der „British Army“ eingeladen wurde, um in Deutschland an englischen Schulen zu spielen, gelang der Sprung über den Kanal. Es zeigte sich während dieser Tournee, dass auch deutsche Schulen sehr an englischsprachigem Theater interessiert waren. Heute umfasst das White Horse Theatre 50 Mitarbeiter mit 9 Theatergruppen, die neben Deutschland auch die Niederlande, Frankreich, Dänemark, Schweden, Japan und China bereisen.

©White Horse Theatre – Szene aus Macbeth

Eine Gruppe besteht aus vier jungen, ausgebildeten und erfahrenen Profischauspielern, die in einem großen Casting jedes Jahr in London ausgewählt werden. Peter Griffith und sein Vize Michael Dray beweisen hier immer wieder ein gutes Händchen und finden unter rund 400 Bewerbern die richtigen Besetzungen für die Rollen. Die Schauspieler sehen sich zum ersten Mal in Deutschland bei den Proben und werden hier in Teams zusammengestellt. Nach ca. 2 Wochen geht es dann mit einem Kleinbus, vollbeladen mit Requisiten und Kostümen für jeweils 2 verschiedene Stücke, auf Tournee. In 10 Monaten legen sie bis zu 60.000 km zurück, leben zusammen auf engstem Raum in wechselnden Ferienwohnungen, versorgen sich selbst und werden so auch auf und hinter der Bühne zu einem eingeschworenen und überzeugenden Team. In Gesprächen nach der Vorstellung erzählen sie gerne von diesem spannenden und vielseitigen Leben hinter den Kulissen.

Dieses große persönliche Engagement fließt auch in den vorbereitenden Arbeiten mit ein. Bühnenbild, Kostüme und Requisiten werden jeweils 3 Monate vor der Tournee von einem Team von Bühnenbildnern und Theatertechnikern gebaut und zusammengestellt, so dass die Schauspieler auch hier ganz autark sind und alles auf- und abbauen können. Die Begeisterung und das Engagement sind bei jeder Vorstellung deutlich spürbar und schwappen immer auch in den Zuschauerraum. (vr)