DR. JANINA FUGE
1. Vorsitzende Kulturkreis
80 Jahre Kulturkreis – das ist ein langer Zeitraum und ein bemerkenswerter Weg. Denn gegründet wurde der Kulturkreis unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, in einer Zeit, als so vieles zerbrochen war und in Frage stand – und Kultur einen hoffnungsvollen Schimmer für eine neue, bessere, lebendigere, offenere und vor allem humanere Gemeinschaft darstellte. Für mich, als ehrenamtliche Vorsitzende seit 2025, ist dieser Grundgedanke von einst noch immer relevant: Kulturelle Veranstaltungen nicht als Selbstzweck zu feiern, sondern als Einladung für unterschiedliche Generationen, Lebensentwürfe und Haltungen – eine Einladung, Zeit miteinander zu teilen, Fragen zuzulassen und andere Perspektiven auszuhalten. Und dabei idealerweise einen guten, inspirierenden, freudvollen Abend zu verbringen. Es gab eine Zeit in meinem Leben, als ich viel als freie Journalistin für die Allgemeine Zeitung im Einsatz war – und dabei sehr viele Veranstaltungen des Kulturkreises besuchen durfte. Wunderbar war das – Termine, auf die ich mich stets freute: Nicht, weil ich alles in den Himmel schreiben wollte vor Begeisterung, sondern weil ich mich auseinandersetzen durfte. Das waren große Sinfoniekonzerte der „Göttinger“, kleinere oder größere Theater-Aufführungen, Kabarett oder auch die damals noch zwei Wochen umfassenden Holdenstedter Schlosswochen als anspruchsvolles Ausnahmeprogramm. Gelernt habe ich viel in dieser Zeit, auch darüber, wie Kultur verbindet. Und auch darüber, dass es mitunter nicht einfach ist, dieses „Verbindende“ kurzerhand zu behaupten, sondern auch zu schauen: Wie funktioniert der Austausch? Wie kann „Kultur“ nahbar sein und eben dieser ihr häufig anhängende Makel des Elitären aufgebrochen werden? Und wie werden diejenigen erreicht, die sich eben nicht sofort angesprochen fühlen von einem kulturellen Angebot? Das betrachte ich auch für meine Zeit als Vorsitzende als wirklich wichtige Frage, auf die ich mit anderen zusammen Antworten finden mag. „Theater in Uelzen“ bedeutet für mich bis heute aber eben auch, dass es für mich ein „Zuhause“ ist. Hier sind Menschen, mit denen ich Begegnungen teilen mag, mit denen ich über das Gesehene – oder über ganz anderes – ins Gespräch komme. Das bedeutet mir viel und das halte ich für eine der wesentlichen Stärken des Kulturkreises.


