Saisoneröffnung mit Tridiculous

06. November 2026
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Theater an der Ilmenau
Greyerstraße 3
Uelzen, 29525 Deutschland
19:00 - 21:00

Bernd Lafrenz – Romeo & Julia

12. November 2026
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Burg Bodenteich
Burgstraße 8
Bad Bodenteich, 29389 Deutschland
19:30 - 21:30

HEAVEN CAN WAIT Chor – Jetzt erst recht!

15. November 2026
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Theater an der Ilmenau
Greyerstraße 3
Uelzen, 29525 Deutschland
18:00 - 20:00

Der kleine Muck

01. Dezember 2026
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Theater an der Ilmenau
Greyerstraße 3
Uelzen, 29525 Deutschland
9:00 - 10:00

Barbara Kaiser

Barbara Kaiser

BARBARA KAISER

Kulturjournalistin

HERZSCHLAG DES LEBENS

Es kann 20 Jahre her sein, dass ein Kandidat für den Chemnitzer Oberbürgermeister von sich reden machte mit der Wahlwerbung, er könne auf Kunst und Kultur gerne verzichten, die kosteten nur Geld. Er hat damals nicht gewonnen. Chemnitz war vor einem Jahr sogar Kulturhauptstadt Europas – trotz aller Vorbehalte. Die Stadt bot ein aufregend- vielfältiges Programm und demonstrierte trotzig: Wir können auch so sein. Bunt und nicht grau, braun oder mit blauem Parteilogo. Als Chemnitz noch Karl-Marx-Stadt hieß, habe ich dort die beiden großen Mimen Christian Grashof und Jutta Wachowiak als Ferdinand und Luise erlebt. Ich war 16 und selber ziemlich unglücklich verliebt. Mein allererstes Theatererlebnis aber verbindet sich mit geheimnisvoll raunenden Zauberbäumen. Vielleicht war ich vier oder fünf. Damit ist eigentlich alles gesagt, was mir Kultur bedeutet – eine frühe Prägung lässt einen nicht los. Meine Ansicht steht auch in Friedrich Schillers Epistel an die Kunst: „Was ich ohne dich wäre, ich weiß es nicht; aber mir grauet, seh ich, was ohne dich Hundert‘ und Tausende sind.“ Nun kommen diese Theatererlebnisse, zu denen unschlagbare Stadttheateraufführungen gehören, ja aus einer anderen Zeit und auch Welt. Da durften Kunst und Kultur noch etwas kosten und waren für jeden erschwinglich. Kunst am Bau und im öffentlichen Raum war selbstverständlich. Heute sehen es viel zu viele so, wie der oben genannte Bürgermeisterkandidat. In Uelzen scheint das anders zu sein. Da wurde das Theater saniert und nicht geschlossen! Und für kulturelle Veranstaltungen finden sich dankenswerterweise immer auch Sponsoren. Für diese Publikation zum 80. Geburtstag des Kulturkreises, des Gründungsvaters für alle Kultur in dieser Stadt, machten die Verantwortlichen zum Glück eine Rolle rückwärts: Der zunächst zugestandene Platz von nicht einmal 1000 Zeichen wurde erweitert auf „unlimited“! So könnte ich mich episch ausbreiten, was mir Kultur bedeutet. Ich habe es Herrn Schiller überlassen. Was mir der Kulturkreis Uelzen bedeutet – das ist eine andere Sache. Obendrein soll ich aufschreiben, an welche Veranstaltung ich mich nachhaltig erinnere, was ich den Kulturorganisatoren wünsche für die Zukunft. Fakt ist, dass ich diese Art von Arbeit – denn Kultur ist Arbeit und nicht nur Spaß – seit 30 Jahren journalistisch begleiten darf. Dass Kultur in dieser Stadt nicht möglichst Nulltarif heißt, weil sie sich nicht in harten Wirtschaftszahlen rechnet, steht auf der Habenseite. Der Kulturkreis wurde einmal in einer Festrede „die DNA der Stadt“ genannt – was er bleiben möge! Und die 192-Seiten- Hochglanzpublikation zum 60. war „ein Geschenk an die Stadt von ihren engagierten Bürgern“. Gibt es diese „engagierten Bürger“ noch? Oder ist das Organisieren von Kultur in geschäftsmäßige Hände gelegt? Es kommt einem so vor. Denn obgleich die Vorstandsmitglieder des Kulturkreises sich weiterhin sehr rührig und ehrenamtlich um den Theaterring und den Symphonischen Ring kümmern, ist mit der Gründung des Städtischen Eigenbetriebs KTS (Kultur, Tourismus, Stadtmarketing) etwas personell immer weiter Ausgestattetes entstanden, bei dem die Vermarktung an erster Stelle steht. Man muss das nicht gut oder gar förderlich finden, dass zuerst geschaut wird: Wird es sich rechnen? Kultur sei „jeder zweite Herzschlag unseres Lebens“, sagte der Spanienkämpfer und Mitbegründer der Akademie der Künste der DDR, Hans Marchwitza, vor mehr als einem halben Jahrhundert. Und wenn sich diesen Herzschlag nicht mehr jeder leistet (leisten kann!), werden wir es alle eines Tages bereuen. „Es gibt Kommunen“, so sagte der damalige Vorsitzende des Kulturkreises, Georg Lipinsky, vor fünf Jahren zur 75-Jahr-Feier in seinen Begrüßungsworten, „die darüber nachdenken, die Theater abzuschalten, sie wirtschaftlichen Zwängen zu opfern.“ Aber, so gab der Redner weiter zu bedenken: „Kultur ist teuer, aber keine Kultur zu haben ist noch teurer!“ Auch beim Bürgermeister i. R., Otto Lukat, traf die Reklamation für Kultur auf offene Ohren. „Ich nehme bewusst das Wort Volksbildung in den Mund“, erwiderte er Lipinsky. Kultur rechne sich nicht, „aber wir haben den Auftrag, für sie zu sorgen… mit gerechtfertigten Zuschüssen“. Die Mitglieder des Kulturkreises organisieren Kultur seit nunmehr 80 Jahren – im Ehrenamt. Keiner weiß, welchem Rechtfertigungsdruck sie manchmal ausgesetzt waren oder sind. Der hohen Qualität der Angebote tat das nie Abbruch, davon konnte sich jeder Theater- und Konzertbesucher überzeugen. Die Festschrift von vor 20 Jahren, die in 51 Artikeln die Kultur feierte, das kulturelle Leben und seine Entwicklung in dieser Stadt hochleben ließ, las sich oft auch wie eine Komödie. Die Macher nannten das Buch damals „Das Gelbe vom Ei“, was dem „Herzschlag des Lebens“ doch recht nahekommt. Heute kommt es manchmal eher einer Tragödie nahe, verschreibt man sich der Aufgabe, Kultur anzubieten. Spätestens in der Coronazeit haben die meisten von uns jedoch gemerkt was fehlt, wenn Theater und Konzertsäle geschlossen bleiben. Aber wie viele Hürden gibt es! Sie scheinen in den letzten Jahren nicht niedriger geworden zu sein. Es sind heutzutage meist finanzielle, damit jeder die Gelegenheit und obendrein die Möglichkeit hat, wie es Goethe in seinem „Wilhelm Meister“ beschrieb: „Man sollte… alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.“ „Kulturarbeit auf breiter Grundlage“, titelte die Allgemeine Zeitung, als im Jahr 1946 die Gründung des Kulturkreises beschlossen wurde. Nach einem Aufruf trugen sich in kürzester Zeit 900 interessierte Bürger in die Mitgliedslisten ein und so war es beschlossene Sache. Seit 80 Jahren arbeitet der Kulturkreis Uelzen e.V. immer am Puls der Zeit. So hörte das Publikum des festlichen Silvesterkonzerts am 30. Dezember 1946 Hölderlinverse, vielleicht das erste Mal frei jeglicher Vereinnahmung, wie sie die Nazis betrieben hatten, und Noten von Bach, Gluck und Beethoven. Ein halbes Jahr später stand „Der zerbrochene Krug“ auf dem Spielplan, die wohl deutscheste aller Komödien, im Jahr 1948 wurde der wunderbaren und engagierten Dichterin Ricarda Huch gedacht, die im November 1947 starb. Im Jahr 1959 gab`s „Kabale und Liebe“ – klar, es war Schillerjahr. Über solche Glanzpunkte muss heute offenbar nicht einmal mehr nachgedacht werden, weil eben nur zählt was sich rechnet. Ich selber habe im Jahr 2006 eine aufwühlende Aufführung der Schiller‘schen „Räuber“ gesehen – das war ganz großes Theater, wie die Räuberbande da ihren Frust in die Welt trommelte! Im Jahr 2015 gab es ein atemberaubendes Beethoven-Wochenende in Zusammenarbeit mit renommierten Solisten und der St.-Marien- Kantorei. Inzwischen hangeln sich die Vorstellungen meist durch Kammerspiele, weil die eben nicht so kostenintensiv sind. Außerdem wird doch ziemlich oft der Publikumsgeschmack bedient – wieder aus Kostengründen. Das Spektrum der Veranstaltungen war früher eindeutig breiter und interessanter. Die fleißige ehrenamtliche Arbeit für eine Kultur als Gesinnung, als Rettungsinstanz (Imre Kertész) – findet die noch statt? An die Kraft von Kunst und Kultur glauben die Mitglieder des Kulturkreises und deren Vorstand ganz bestimmt noch heute. Deshalb machen sie weiter, kommen mit raren finanziellen Mitteln zurecht und manch andrer Widrigkeit. Zum Glück für die Einwohner dieser Stadt. Herzlichen Glückwunsch all den Ehrenamtlichen, die sich aufreiben für diesen „zweiten Herzschlag“ des Lebens, ohne den wir alle längst tot – hirntot – wären.

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Kulturkreis Uelzen e.V.
Tel. 0581/800-6246

Öffnungszeiten
Abendkasse: 45 Minuten vor Veranstaltungsbeginn